Men of War - Condemned Heroes

Men of War - Condemned Heroes

(Peter Games)

geschrieben von Witali Blum

 

     
 

Die "Men of War"-Spielreihe bekommt eine neue Ergänzung unter dem Namen "Condemned Heroes" (engl. für verurteilte Helden) und befasst sich mit dem Schicksal der Strafbataillone Stalins. Lesen Sie im folgenden Spieletest, welche strategischen Aufgaben von den in Ungnade gefallenen Soldaten, die womöglich den Verlauf des Zweiten Weltkrieges entscheidend geprägt haben, erfüllt werden mussten und vor allem, ob es Spaß macht, diese grausamen Ereignisse in digitaler Form erneut nachzuerleben.

Heldentum

Stalins Befehl Nr. 227 "Kein Schritt zurück" wird von vielen Geschichtsforschern kontrovers diskutiert. Während die einen Historiker darauf beharren, dass diese Order letztendlich den Sieg gegen Nazi-Deutschland gebracht hat, weil die davon betroffenen, verurteilten Soldaten sich eher bis zum letzten Mann für den Erfolg einer Mission aufgeopfert haben, anstatt in Kriegsgefangenschaft zu geraten, werfen andere dem damaligen Sowjet-Regime vor, dass der Sieg zu einem viel zu hohen Preis erkauft worden warsei. Der Antrieb, den Feind mit allen Mitteln zu schlagen, kam nämlich nicht aus irgendwelchen patriotischen Überzeugungen, sondern schlicht aus der Tatsache, dass bei einem Fehlschlag auch die Angehörigen der Kämpfer zur Verantwortung gezogen werden würdenworden wären. Darüber hinaus gab es hinter den Strafbataillonen so genanntesogenannte Blockadetruppen, die alle Deserteure exekutierten. Ohne Rückzugsmöglichkeiten konnten die Verurteilten nur den Weg nach vorne einschlagen und alle Hindernisse erstürmen beziehungsweise ausreichend schwächen, sodass die regulären Heereseinheiten auf wenig Widerstand trafen.

Opferbereitschaft

"Condemned Heroes" aus der "Men of War"-Serie lässt den Spieler in gewohnter Manier der Vorgängertitel Soldaten kommandieren, die je nach Einsatzbefehl bestimmte Ziele erfüllen müssen, um eine Mission erfolgreich abzuschließen. Wie der Titel es andeutet, handelt es sich bei den gelenkten Kämpen um verurteilte Offiziere, Verbrecher oder politische Gefangene, die in waghalsigen Aufträgen eine Chance auf Rehabilitation für sich sowie und ihre Familie erhalten. Leider bekommt der Spieler von dem zuvor geschilderten Hintergrundwissen so gut wie nichts mit, denn die aktuelle "Men of War"-Erweiterung präsentiert ihre Hintergrundgeschichte in langweiligen Textpassagen beim Briefing sowie in der zugehörigen digitalen Enzyklopädie, die auf Grundaufgrund fehlender Bilder niemand länger als zehn Sekunden anschauen würde. So ist es kein Wunder, dass man oftmals geneigt ist, auf den Verlust von Truppen mit einem Achselzucken zu reagieren, weil die Untergebenen einem nie ans Herz wachsen und beim nächsten Auftrag wieder andere Verurteilte ins Gefecht zu führen sind.

Der happige Schwierigkeitsgrad der Missionen verhindert jedoch effektiv ein allzu sorgloses Verheizen eigener Einheiten, denn Gefallene werden oftmals erst bei Erfüllung gewisser Zwischenziele ersetzt. Da der Feind meistens gut bewaffnet ist und sich in sicheren Stellungen verschanzt hat, vermisst man jeden zusätzlichen Schützen, der durch einen schlecht durchdachten Angriff verloren gegangen ist. Dementsprechend werden Anfänger am an diesem Titel verzweifeln, weil kein Tutorial ihnen zeigt, wie sie ihre Untergebenen optimal befehligen sollen. Für weitere Frustmomente sorgt die KI der Einheiten, die manchmal durchaus sinnvoll auf Angriffe durch den Gegner reagiert, indem sie beispielsweise die Soldaten aus der Reichweite von Granaten in Deckung hechten lässt. In anderen Fällen aber versagt sie kläglich versagt, wenn sie etwa die Kämpfer mitten ins feindliche Sperrfeuer zwingt. Am besten hat sich die Option bewährt, alle automatischen Aktionen abzuschalten, sodass der Spieler die Kontrolle behält.

Spätestens nach der dritten Mission stellt sich der Eindruck ein, dass die Entwickler lieblos den Leveleditor bemüht und ein weiteres 08/15-Produkt aus der "Men of War"-Serie generiert haben, denn abgesehen von einigen wenigen Schleichaufträgen kämpfen sich die Verurteilten von einem Schützengraben bis zum nächsten, nur um am Missionsende aus den besetzten Stellungen eine Großoffensive des Feindes abwehren zu müssen. Selbst das authentische Arsenal kann nur begrenzt für Abwechslung sorgen, vor allem weil die erbeuteten deutschen Waffen genau dieselben Attribute wie die sowjetischen Schießprügel aufweisen. Freunde des Sammelns werden trotz eines gut gefüllten Inventars mit "Condemned Heroes" nicht glücklich werden, denn die erbeuteten Kriegsgeräte – Mörser, Panzer oder HaubizenHaubitzen – verschwinden nach jedem erfüllten Auftrag. Der Strategie-Hit "Sudden Strike" hat in dieser Hinsicht vieles besser gemacht.

Taktik

Auf GrundAufgrund der zahlreichen Befehle fällt die Steuerung von "Condemned Heroes" ziemlich umfangreich aus, vor allem wenn man zu Gunstenzugunsten einer besseren Kontrolle auf die automatischen Verhaltensmuster zu Gunsten einer besseren Kontrolle verzichtet. Dementsprechend sollten Spieler möglichst bald die Hotkeys der wichtigsten Aktionen gelernt habenlernen, um im Eifer des Gefechts schnell auf die Feindbewegung reagieren zu können. Einzig die automatische Zusammenfassung von Soldaten zu Kampfverbänden, kann dann noch für ungewollte Ärgernisse sorgen. So passiert es am Anfang oft, dass sich statt eines Einzelkämpfers, der eine MG-Stellung mittels Granate ausschalten soll, sich gleich die ganze Truppe in Bewegung setzt, weil der Soldat zuvor nicht extra mit der Maus herausgepickt worden ist.

Deckung

Die grafischen Effekte von "Condemned Heroes" wirken durchaus authentisch, wobei die Flammen an brennenden Häusern durchaus hätten besser modelliert werden können. Große optische Verbesserungen im Vergleich zu den anderen "Men of War"-Titeln erwartet man jedoch vergebens, denn schließlich nutzt das Spiel dieselbe Engine beziehungsweise denselben Leveleditor. So wirken die Kämpfer nach wie vor wie Zinnsoldaten, weil sie unter anderem nicht bluten und selbst bei einem Volltreffer durch eine Mörsergranate keine Körperteile verlieren. Ferner sollte nicht unerwähnt bleiben, dass der Titel einige Bugs aufzuweisen hat, die immer reproduzierbar zu einem Spielabsturz führen. Wenn beispielsweise eine Panzerbesatzung aus dem Fahrzeug heraus versucht, getötete Menschen zu plündern, kommt unweigerlich eine Fehlermeldung und man landet auf dem Desktop.

Während die Soundeffekte des Spiels - Explosionen, Schüsse oder Todesschreie - gekonnt die Atmosphäre eines Weltkriegs untermalen, wirkt die Hintergrundmusik auf Dauer unpassend und nervenaufreibend. Sie wird vermutlich früher oder später im entsprechenden Optionsmenü abgestellt werden. Die deutsche Synchronisation ist vermutlich mit Absicht nur auf die Texte des Spiels bezogen, weil die eigenen Soldaten ihre Muttersprache Russisch sprechen, während die Opponenten historisch korrekt Deutsch reden.

 

- Windows XP SP1 / Vista / 7

- Pentium IV 2,6 GHz (oder Athlon 3000+)

- 1 GB RAM

- Grafikkarte mit 128 MB RAM, GeForce 6600 oder Radeon 1950

- DirectX 9.0c

- DVD-ROM Laufwerk

- mind. 3 GB freier Festplattenspeicher

- Soundkarte (DirectX-kompatibel)

Multiplayer Anforderungen:

- Breitband-Internetverbindung für Internet-Spiel

- Netzwerkkarte für LAN-Spiel

 


Fazit

"Men of War – Condemned Heroes" erreicht leider nicht das Niveau der anderen Erweiterungen, in denen nicht nur die Strategie, sondern auch die Hintergrundgeschichte eine wichtige Rolle gespielt hat. Die sich wiederholenden Ziele in den Missionen werden sehr schnell langweilig, sodass nur der extrem hohe Schwierigkeitsgrad für Abwechslung sorgt. Da die KI dummerweise öfter dem computergesteuerten Gegner in die Hände spielt, wird man oft unnötig frustriert und muss einen früheren Spielstand laden, um eine Mission erfolgreich abschließen zu können. Insgesamt hätten die Entwickler mehr aus der Thematik "Strafbataillon" machen können, zumal es auch auf deutscher Seite ein Pendant gegeben hat, das ebenfalls eine eigene Kampagne hätte erhalten dürfen. (28.08.2012)


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