ZBoard

ZBoard

(Flashpoint)

geschrieben von Hans Thiel

 

Die meisten Spiele für den PC unterscheiden sich von ihren Konsolenpendants vor allem durch vielfältige Aufgabenstellungen und damit auch oft genug durch eine komplexe Steuerung, die dem Spieler neben Reaktionsvermögen auch Treffsicherheit auf dem Eingabegerät abverlangt. Im Gegensatz zum Achttastencontroller können die knapp über hundert kleinen Knöpfchen einer Tastatur im Eifer des Gefechts für den Einsteiger manchmal etwas zu viel des Guten sein. Ganz davon abgesehen, dass meist auch noch die Maus mit bedient werden will. Flashpoint will mit dem ZBoard nun Abhilfe schaffen. Die Idee hinter dem Produkt ist ebenso simpel wie genial: Ein robustes Grundgehäuse stellt die Basis und auswechselbare Einsätze bringen Ordnung in das Chaos, rücken die wichtigsten Tasten ins rechte Licht und reduzieren das Drumherum auf das Nötigste.

Die Grundausstattung

Aus der Packung des ZBoard purzeln neben der Basistastatur noch zwei Aufsätze heraus: einmal das Standard-Layout und zum anderen der ZBoard-Shooteraufsatz sowie ein schmales Handbüchlein und die Installations-CD. Das ZBoard verhält sich ohne die Treibersoftware wie ein normales Keyboard; erst nach der Installation werden die erweiterten Tasten sowie die wechselbaren Layouts nutzbar. Das Basiskeyboard verfügt neben zwei zusätzlichen USB-Anschlüssen über mehr als ein Dutzend weitere Tasten, die mit speziellen Funktionen, wie etwa dem Start des Browsers oder des Windows-Rechners, belegt werden können. Steuerungstasten zur Lautstärkeregelung sowie Kontrollfunktionen für einen Videoplayer komplettieren das Paket. Zum Zeitpunkt des Reviews arbeiteten diese jedoch nur mit dem Windows Media Player zusammen; der Entwickler Ideazon hat jedoch angekündigt, zukünftig weitere Software zu unterstützen. Gewöhnungsbedürftig ist vor allem ein längeres Arbeiten mit dem ZBoard. Die Tasten haben einen großen Hub und erfordern einiges an Kraftaufwand. Die Auswahl der richtigen Tastatur ist für Vielschreiber ohnehin mit der Suche nach guten und bequemen Schuhen vergleichbar - ratsam ist in jedem Fall, die Tastatur vor dem Kauf daraufhin zu prüfen, ob das Schreibgefühl den persönlichen Vorlieben entspricht.

Das Standardlayout

Mit eingecliptem Standardlayout wird aus dem ZBoard eine fast normale Tastatur. Die Tasten sind sowohl was Material und Form als auch die Beschriftung betrifft, sehr sauber gearbeitet. Die üblichen Tastenbezeichnungen werden durch weitere, farblich besonders gekennzeichnete, Beschriftungen ergänzt. Hier richtet sich das ZBoard ganz klar an Einsteiger oder zumindest an Nutzer mit wenig Erfahrung; anderen werden die Shortcuts für Suchen, Einfügen oder Drucken soweit bekannt sein, dass sie diese Unterstützung getrost ignorieren können.

Das Shooterlayout

Mit wenigen Handgriffen wird das Standardlayout des ZBoard gegen das speziell auf Egoshooter angepasste Tastenbrett ausgetauscht. Bei diesem wurde auf den Ziffernblock verzichtet, und auch die Verteilung der übrigen Tasten ist gewöhnungsbedürftig. Der so eingesparte Raum wird von großen roten Bewegungstasten ausgefüllt, um die weitere Spezialtasten gruppiert sind. Diese Anordnung soll das Shooter-Erlebnis intuitiver machen und Anfängern den Einstieg erleichtern. Die Beschriftung der Tasten spiegelt die Standardbelegung wider, je nach gewähltem Spielprofil kann die exakte Funktion aber davon abweichen. In der Verarbeitung ist das Shooter-Layout leider nicht so sauber wie die Standardversion; die aufgedruckten Buchstaben erscheinen leicht unscharf und teilweise verlaufen. Zudem wirken einige der Spezialtasten ziemlich rutschig.

Die Software

Ohne die Treibersoftware verhält sich das ZBoard wie eine gewöhnliche Standardtastatur, ganz gleich, welches Layout eingelegt ist. Die Software erkennt das eingelegte Set anhand eines kleinen Chips und stellt daraufhin die erweiterten Funktionen zur Verfügung. Auf der Homepage des ZBoards finden sich weitere Settings für eine Vielzahl von Spielen; die Software stellt zudem ein Bild mit der genauen Tastenbelegung zur Verfügung. Die Settings lassen sich bequem über die ZBoard-Steuerungssoftware herunterladen. Leider wird dabei nicht angezeigt, wie groß die zu ladenden Dateien sind und wie lange es dauern könnte; für Besitzer langsamerer Internetverbindungen beginnt so ein unschönes Wartespiel, bis die Software aktualisiert ist. Apropos Aktualität - es empfiehlt sich in jedem Fall, die aktuellste Version von der ZBoard-Seite herunterzuladen; die beiliegende Version hatte Probleme bei der Ansteuerung der Lautstärkeregelung und ließ kein Update der Steuerungsdateien zu. Die neueste Version kennt solcherlei Probleme nicht mehr.

Das Spielerlebnis

Macht das ZBoard den Spieler schneller? Sicherer? Tödlicher? Kurzum, macht das ZBoard bessere Spieler? Höchstwahrscheinlich nicht. Nutzer, die ohnehin an das WASD-Layout gewöhnt sind, finden sich schnell mit dem Board zurecht, auch erklärte Pfeiltastenspieler brauchen nicht lange, um mit den großzügig ausgelegen Steuerungstasten zurechtzukommen. Die zusätzlichen Funktionsknöpfe für Nachladen, Ducken oder Waffenwahl sind da schon etwas anderes. Im hektischen Spielgeschehen kann es durchaus vorkommen, dass der Finger danebengeht oder wieder von der Taste rutscht - sicher alles eine Frage der Eingewöhnung, doch da hat das ZBoard einer gewöhnlichen Tastatur nichts voraus. Die Beschriftungen der Tasten, vor allem im Shooter-Layout, bringen ebenso wenig Punkte, denn je nach gewähltem Spiel und Preset weichen die Belegungen vom Aufdruck ab und der Spieler ist wiederum gezwungen, sich zu merken, welche Funktion sich hinter einer speziellen Taste verbirgt. Einzig die speziell an ein Spiel angepassten Layouts könnten da Abhilfe schaffen. Ob sich notorisch klamme Zocker aber dazu durchringen können, nur für ein bestimmtes Spiel gleich noch mal 20 Euro für das passende Layout auszugeben, ist fraglich.

Während das Shooter-Layout in eigentlich allen Spielen dieses Genres tadellos funktioniert, bringt es nach dem Wechsel zu einem Strategietitel oder Spielen mit überwiegender Maussteuerung kaum noch Vorteile oder ist gar hinderlich, da die Tasten sich nicht an der gewohnten Position befinden. Hier wären weitere Layouts mit durchdachter Anordnung wünschenswert und würden eventuell das Spielerlebnis vereinfachen.

Fakt ist: Das ZBoard ist keine schlechte Tastatur. Die Idee, ein spezielles Layout zu entwickeln, das einem bestimmten Spiel oder Genre näher kommt als die Standardsteuerung, ist interessant und derzeit wohl eine der wenigen Innovationen auf diesem Gebiet. Der spürbare Effekt ist allerdings marginal. Für Einsteiger oder Gelegenheitsspieler mag sich eine merkliche Verbesserung einstellen; erfahrene Zocker schauen beim Spielen gewöhnlich ohnehin nicht mehr auf die Tastatur, um die Beschriftung zu lesen. Das zurzeit angebotene Shooter-Layout orientiert sich nur an diesem Genre und ist in anderen Spielen, die eine größere Anzahl Tastaturbefehle mitbringen, eher hinderlich. Die angebotenen Speziallayouts für bestimmte Titel könnten möglicherweise hilfreich sein, standen aber für den Test nicht zur Verfügung. Das ZBoard ist eine interessante Idee, deren Nutzen stark vom jeweiligen Spieler und dem gewünschten Genre abhängt - Ausprobieren ist Pflicht!

(04.10.2006)

Entwickler: Ideazon
Deutscher Vertrieb: Flashpoint AG
Homepage: ZBoard
Preis: 59,95 €

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