
Mit Screamer bringt Milestone ein stylisches Arcade-Rennspiel zurück, das mit rasantem Gameplay, Anime-Ästhetik und ungewöhnlich starkem Story-Fokus frischen Wind ins Genre bringt.
Anime-Racing mit Fokus auf Story
Seit der Ankündigung macht Screamer klar, wohin die Reise geht: Milestone setzt hier stark auf eine erzählerische Komponente – etwas, das im Rennspiel-Genre eher selten ist. Der Story-Modus, das sogenannte Turnier, steht klar im Mittelpunkt und wird mit spürbarem Produktionsaufwand inszeniert. Schon nach wenigen Minuten wird deutlich, welchen Stil das Spiel verfolgt. Dich erwartet eine starke Anime-Ästhetik, inspiriert von Werken wie Cowboy Bebop oder Redline, kombiniert mit Cyberpunk- und Neon-Noir-Elementen. Die Welt erinnert dabei visuell stark an Cyberpunk: Edgerunners und zieht dich sofort in ihre Atmosphäre hinein. Du schlüpfst in die Rolle der Green Reapers, eines Trios von Söldnerfahrern rund um Hiroshi, Róisín und Frederic. Offiziell nehmen sie am von dem mysteriösen Mister A. organisierten Turnier teil – in Wahrheit verfolgen sie jedoch einen Racheplan gegen Gabriel, den Sohn eines mächtigen Konzerns. Auch andere Teams bringen ihre eigenen Geschichten und Motive mit, wodurch sich die Handlung schnell über das reine Preisgeld hinaus entwickelt und persönliche sowie politische Konflikte in den Vordergrund rücken. Eine interessante Idee ist das sogenannte Echo-System, das erklärt, warum niemand dauerhaft aus dem Rennen ausscheidet. Dank dieser Technologie kehren Fahrer immer wieder auf die Strecke zurück – ein Konzept, das nicht nur spielerisch, sondern auch erzählerisch clever eingebunden ist. Verantwortlich dafür ist der exzentrische Mechaniker Gage, unterstützt von seinem Corgi Fermi, die beide eine wichtige Rolle in der Story einnehmen. Auch die Präsentation überzeugt: Die Charaktere sind stilistisch stark gestaltet und begleiten dich durch die gesamte Kampagne. Die Inszenierung wechselt zwischen Graphic-Novel-Sequenzen und aufwendig animierten Anime-Cutscenes, wobei letztere besonders hervorstechen – auch wenn sie etwas zu selten eingesetzt werden. Ganz rund läuft das Gesamtbild jedoch nicht. Während der Anfang und das Finale durchaus überzeugen, verliert die Story im Mittelteil an Tempo. Dialoge wirken teilweise künstlich, und die Beziehungen zwischen den Figuren entwickeln sich nicht immer glaubwürdig. Hinzu kommt, dass sich das Spiel in dieser Phase etwas streckt, was auch den Spielfluss und die Einführung neuer Mechaniken ausbremst. Unterm Strich bleibt ein spannender Ansatz mit starker Präsentation, der aber erzählerisch nicht durchgehend sein volles Potenzial ausschöpft.

Tiefes Gameplay mit Kampfspiel-DNA
Auch wenn die Story nicht immer überzeugt, punktet Screamer spielerisch auf ganzer Linie. Hier bekommst du pures Adrenalin – und man merkt deutlich die jahrzehntelange Erfahrung von Milestone im Rennspiel-Genre. Die Steuerung ist auf den ersten Blick simpel, bietet aber erstaunlich viel Tiefe. Du gibst Gas und bremst mit den Schultertasten, während du mit den Analogsticks lenkst und driftest. Gerade die Trennung von Lenkung und Drift eröffnet dir viele Möglichkeiten, Kurven unterschiedlich anzugehen und deinen eigenen Fahrstil zu entwickeln. Doch das eigentliche Highlight steckt in den beiden Ressourcen Synch und Entropy, die dem Spiel eine fast schon kämpferische Note verleihen. Durch sauberes Fahren, perfekte Drifts und gutes Timing beim Schalten lädst du die Synch-Leiste auf, mit der du einen Boost aktivierst. Dieser verschafft dir einen massiven Geschwindigkeitsschub. Gleichzeitig füllt sich die Entropy-Leiste, die du für Angriffe nutzen kannst: Bist du nah genug an einem Gegner, kannst du ihn mit einem Strike attackieren und aus dem Rennen nehmen. Dadurch entsteht ein ständiger Kreislauf aus Angriff, Tempo und Risiko, der jede Strecke spannend macht. Zusätzlich kannst du dich auch verteidigen. Das Spiel warnt dich vor eingehenden Angriffen, und mit dem richtigen Timing blockst du sie komplett. So entsteht eine zusätzliche strategische Ebene, bei der du immer abwägen musst, ob du deine Ressourcen offensiv oder defensiv einsetzt. Wenn du die Entropy-Leiste komplett füllst, schaltest du den Overdrive-Modus frei. In diesem Zustand bist du extrem schnell und kannst Gegner nahezu im Dauerangriff ausschalten. Der Haken: Ein kleiner Fehler reicht, und du gehst selbst in die Luft. Genau dieses Risiko macht den Modus so spannend. Auch die Fahrer bringen frischen Wind ins Spiel. Jeder Charakter hat eigene Fähigkeiten und ein individuelles Fahrverhalten – von driftlastigen Spezialisten bis hin zu ausgewogenen Allroundern. Der Story-Modus sorgt dafür, dass du alle kennenlernen kannst, bevor du deinen Favoriten findest. Abgerundet wird das Ganze durch ein starkes Streckendesign. Dich erwarten abwechslungsreiche Kurse – von technischen Passagen mit engen Kurven bis hin zu Highspeed-Strecken, bei denen Windschatten und Timing entscheidend sind. Insgesamt bietet Screamer ein überraschend komplexes Gameplay, das deutlich über ein typisches Arcade-Rennspiel hinausgeht.
Viel Umfang, starke Technik und jede Menge Stil
Neben dem Story-Modus bietet dir Screamer noch mehrere weitere Spielvarianten, allen voran den Arcade-Modus. Hier erwarten dich unterschiedliche Rennarten wie Zeitrennen, klassische Duelle, Teamrennen oder Modi, in denen du gezielt Gegner ausschalten musst. Besonders spaßig sind die Overdrive-Herausforderungen, bei denen du so lange wie möglich im Extremmodus überlebst. Diese Vielfalt sorgt zusammen mit dem motivierenden Fahrgefühl dafür, dass du den Controller nur schwer aus der Hand legst. Auch online bist du gut versorgt: Mit Lobbys und Voice-Chat kannst du dich mit anderen messen. Zusätzlich gibt es einen Split-Screen-Modus für bis zu vier Spieler – eine selten gewordene, aber umso willkommenere Funktion, die perfekt zum nostalgischen 90er-Vibe des Spiels passt. Technisch überzeugt Screamer auf ganzer Linie. Dank der Unreal Engine 5 sieht das Spiel richtig stark aus: detaillierte Fahrzeuge, abwechslungsreiche Strecken von Cyberpunk-Städten bis hin zu wilden Naturgebieten und vor allem eine beeindruckende Beleuchtung. Reflexionen auf nassem Asphalt, Neonlichter und Effekte auf den Karosserien sorgen für ein visuelles Gesamtbild auf hohem Niveau. Dazu kommt ein hervorragendes Geschwindigkeitsgefühl, das an Klassiker wie Burnout erinnert – schnell, intensiv und jederzeit flüssig mit stabilen 60 FPS. Auch beim Sound liefert das Spiel ab. Der Mix aus elektronischen Beats und Metal passt perfekt zur Action, während die Soundeffekte ordentlich Druck machen. Eine interessante Entscheidung ist die mehrsprachige Vertonung: Jede Figur spricht ihre eigene Sprache, was für Authentizität sorgt, anfangs aber etwas ungewohnt sein kann. Die Qualität ist dabei durchweg hoch. Ein besonderes Lob verdient außerdem die Barrierefreiheit. Du kannst viele Einstellungen anpassen, sogar eine Steuerung für Einhandbedienung ist möglich. Damit setzt Screamer ein starkes Zeichen und zeigt, wie moderne Spiele in diesem Bereich aussehen sollten.

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